HALLE/MZ - Siegfried Hoffmann lässt sich Zeit.Wenige Minuten, bevor der Startschuss für die 61-Kilometer-Tour der MZ-Radpartie fällt, hält er noch einen kleinen Plausch auf der Peißnitzinsel in Halle - er will das große Starterfeld erst einmal ziehen lassen. Immerhin haben sich mehr als 2 000 Freizeitradler alleine für diese beliebte Strecke angemeldet. Und: „Ich überhole lieber, anstatt mich überholen zu lassen“, lacht er. Gerade hat er einen Bekannten wiedergetroffen, den er nur deshalb kennt, weil er vor zwei Jahren etliche Kilometer bei der Radpartie neben ihm gefahren ist. „Man knüpft hier viele neue Kontakte“, so der 70-Jährige, der mit seiner Frau an diesem Sonntagmorgen aus Gutenborn (Burgenlandkreis) nach Halle gekommen ist. Die Radpartie ist ein Muss für ihn, sagt der Rentner: „Ich bin jedes Mal dabei.“ Da kann er sogar verschmerzen, dass er deshalb gestern seine geliebte Formel 1 verpasst hat.
Rekord bei den Teilnehmern Der Radpartie-Fan reiht sich ein in ein Fahrerfeld, das es in dieser Größe noch nie zuvor gegeben hat: Rund 5 200 Teilnehmer erkundeten die Region um Halle bei der sechsten Auflage des großen Gemeinschaftsausflugs - weit mehr, als in den vergangenen Jahren.
Schon vor 9 Uhr, dem Start der mit 81 Kilometern längsten der vier Strecken, wird es zusehends voller am Start- und Zielort auf der halleschen Peißnitz. Später, als die besonders beliebten mittellangen Touren von 61 und 36 Kilometern beginnen, ist hier ein Meer aus blauen MZ-Shirts sehen.
Viel zu tun für die Rad-Experten von Fahrrad XXL Emporon, die die Räder an gleich mehreren Ständen noch einmal durchchecken. „Die meisten Teilnehmer wollen, dass wir die Luft überprüfen, bevor sie sich losmachen“, sagt Uwe Teichmann von dem halleschen Fahrradgeschäft. Doch selbst wenn es auf der Strecke einmal einen Platten geben sollte, ist die Tour für die Betroffenen damit nicht vorbei: „Wir haben Mitarbeiter auf den Strecken, die bei Pannen weiterhelfen.“ Bei Bedarf können die Teilnehmer die Spezialisten anrufen.
Jürgen Büttner und seine Frau werden diesen Pannendienst ganz sicher nicht in Anspruch nehmen müssen: Die Wolfener, denen die Erfahrung einiger Radurlaube in den Beinen steckt, haben alles dabei - von der Luftpumpe bis zum Ersatzschlauch. Sie sind gut trainiert: „Wir machen im Sommer eigentlich jedes Wochenende eine Tour rund um die Goitzsche“, erzählt der 41-Jährige. Martina Braun aus Halle schätzt derweil vor allem das Gemeinschaftserlebnis: „Die Radfahrer gehören an diesem Tag einfach zusammen.“ Außerdem sei die Streckenführung schön - „da kann man vieles von der Region sehen“.
Vorbei kommen die Freizeitradler - je nach Strecke - zum Beispiel am Geiseltalsee, der Saaleaue und dem Industriestandort Schkopau. Oder an dem hübschen Goethe-Städtchen Bad Lauchstädt, wo die Radpartie-Teilnehmer der zwei längsten Touren bei Schaschlik und Musik gemütlich Rast machen können.
Abstecher in den Kurpark Wie passend, findet Studentin Katharina Lampe: Der 23-Jährigen fehlte in ihrem Saale-Unstrut-Radlerpass noch der Stempel aus dem Ort. Den hat sich die Radpartie-Teilnehmerin, die auf ihrer Strecke besonders die Wege entlang der Saale mag, gleich geholt - genauso, wie einen Eindruck von Bad Lauchstädt. „Es ist schön, dass man auch einmal Orte sieht, in denen man sonst nicht ist“, meint die Weißenfelserin. „Der Kurpark von Bad Lauchstädt ist wunderschön.“
Derweil kommt Monika Hoffmann so richtig ins Schwärmen, wenn es um den Stargast auf der Bühne am Ziel der MZ-Radpartie geht: Petra Zieger. „Ich finde sie richtig gut“, schwärmt die Frau aus Gutenborn, die auf der Peißnitzinsel auf ihren Mann Siegfried gewartet hat. Während er die 61 Kilometer absolvierte, schaute sie sich an den Ständen um und verfolgte das Programm auf der Bühne. „Mir wird es hier nie langweilig“, sagt sie. Und als Rock-Lady Petra Zieger am Nachmittag die Bühne betritt, lauschen ihr neben Monika Hoffmann noch viele Radler. Erschöpft, aber glücklich.