MZ-Radpartie
MZ-Radpartie

Osten voller Über­ra­schun­gen

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VON MICHAEL FALGOWSKI

Der Saalekreis an Halles östlicher Stadtgrenze ist für die meisten Genussradler das unbekannte Land. Da gibt es Gewerbegebiete, die A 14, die B 100 und Bahngleise; viel Feld und kein Wald, so denken wir. Und das stimmt ja auch alles. Also verlässt der Radler die Stadt gewöhnlich eher durch die Saaleaue. Die 41 Kilometer lange Volksbank-Tour der MZ-<<Radpartie>> aber tut dies nicht. Sie führt uns über Reideburg, Hohenthurm, Niemberg, Oppin und Peißen. Zu Recht: Denn nur das Unbekannte verspricht neue Einblicke, Wege und die Erweiterung des Radler-Horizontes.
Na gut, auf dem Radweg entlang der Delitzscher Straße, wo die Tour beginnt, durch Büschdorf und Reideburg, ist das überraschende Moment noch nicht direkt erkennbar. Immerhin ist diese Strecke ideal, um sich einzurollen. Auf der Straße nach Dölbau ist Halle dann auch rasch zu Ende, wie das Ortsausgangsschild verrät. Und hinter dem lauschigen Naundorf geht es auf der Brücke über die A 14. Wann radelt man schon mal über einer Autobahn! Aus der Ferne grüßt der Petersberg.
Ungewöhnlich geht es weiter, denn hinter der Brücke biegen wir ab ins Gewerbegebiet Queis, wo sich der Hallenser mal anschauen kann, wie ein gut besetztes Gewerbegebiet aussieht. Wie ein unbesetztes, das sehen wir anschließend im "Starpark". "Investor Country" steht auf dem Schild; "Country" ist auch da, an Investoren mangelt es. Parallel zur A 14 fahren wir auf dem Radweg einer einsamen vierspurigen Lampen-Allee bis nach Peißen. Davor biegen wir aber in den großräumigen, unbesiedelten Gewerbepark ab. Radlerglück: Die Lerchen jubilieren, vorbei an mit Schilf bewachsenen Regenrückhaltebecken geht es nach Osten, die Felder weiten sich zum Horizont.
Dort ist nun erstmals auch der 36 Meter hohe Turm von Hohenthurm zu sehen, eine echte Landmarke. Die steuern wir über Zwebendorf an, denn in Hohenthurm wird der erste Verpflegungspunkt dieser MZ-Radpartie aufgebaut sein. Ein kleiner Fußweg auf den Burgberg samt romanischer Kirche und dem Bergfried aus dem 12. Jahrhundert lohnt sich unbedingt. Der Heimatverein öffnet den Denkmal-Turm eigens am Radpartie-Tag.
Um auf der Straße Niemberg zu erreichen, überqueren wir zunächst die B 100. Von dem Ort, der gerade 1050 Jahre gefeiert hat, geht es weiter in Richtung Brachstedt. Wir fahren aber nur bis Hohen. Dieser Ortsname erschließt sich rasch - von wegen: Der Saalekreis ist flach. Vom überraschenden Hügelland aus genießen wir einen schönen Blick hinüber zum Petersberg. Näher kommen wir dem Berg der Berge im Saalekreis nicht mehr. Wir fahren auch nicht die Kopfsteinpflaster-Straße aus offenbar napoleonischer Zeit direkt nach Hohen, sondern weiter auf der Straße, um auf einen holperigen Weg nach Wurp abzubiegen. Wurp? Nie gehört. Von dort führt die Route durch eine schöne Obstbaumallee hinüber nach Oppin. Ein Hubschrauber startet vom Flugplatz aus, der links in der Ebene liegt. In Oppin befindet sich auch der Hauptpausen-Ort der Tour, und zwar am kleinen, schattigen Schlosspark. Mitglieder des Heimatgeschichtsvereins, der zur MZ-Radpartie gleich nebenan nach zwei Jahren endlich wieder seine Heimatstube eröffnet, erzählen gerne dessen Geschichte. Im Schloss residierten in der DDR unter anderem Kampfgruppe und GST, später wurde es Behinderteneinrichtung. Seit Jahren verfällt das 1866 erbaute Gutshaus.
In Richtung Halle führt uns die Tour auf der Straße durch die Orte Plößnitz und Braschwitz. Auf den letzten Kilometern wird es dann noch einmal etwas skurril: Durch das Gewerbegebiet Peißen-Center radeln wir zu einer schmalen Unterführung der B 100 hinüber nach Peißen. Und dort unter der A 14 hindurch nach Stichelsdorf - wo wir bei einem kleinen Abstecher die Straußen-Vögel auf ihrer Farm-Weide bestaunen, die abenteuerliche Kopfsteinpflasterstraße aber links liegen lassen und stattdessen über Feldwege holpern, um zum Zöberitzer Weg und auf diesem zum Dautzsch zu gelangen. Ein großer Teil der 4,6 Kilometer Schotterweg auf dieser Rundfahrt wird hier absolviert.
Das Ende der Tour ist rasch absolviert: Auf der Reideburger Landstraße nach Diemitz und durch das Gewerbegebiet Halle-Ost zum Gelände des Medienhauses, wo diese ungewöhnliche und überraschende 41-Kilometer-Runde endet.