MZ-Radpartie
MZ-Radpartie

Der Touren-Planer

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Im Winter macht Dieter Krumme seit einigen Jahren stets etwas - zumindest bei diesen Temperaturen - äußerst Ungewöhnliches: Er erkundet die Region rund um Halle mit dem Fahrrad. Und zwar ausgiebig, an mehreren Tagen im Dezember und Januar. Weniger, um besonders schöne Landschaften zu entdecken. Sondern vielmehr, um die Beschaffenheit der Wege genauestens zu inspizieren und dabei Steigungen auf ihre Schwierigkeit hin auszuprobieren. Dabei kennt der Dresdner diese Gegend mittlerweile besser als mancher Hallenser.
Doch er will jedes Jahr haargenau wissen, wie es sich fährt auf den Strecken, die er zusammengestellt hat. Anfang des Jahres muss er damit fertig sein. Denn der Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur Festunion ist gewissermaßen der Chefplaner für die Radpartie der Mitteldeutschen Zeitung - und zwar, seit sie 2007 das erste Mal startete. Als solcher tüftelt er stets neue Touren aus - so auch jetzt wieder für den 24. Juni, wenn die sechste MZ-Radpartie veranstaltet wird. Dabei drängt die Zeit, denn die Routen müssen stets rechtzeitig vor dem Ausflugsvergnügen mit tausenden Radlern bei den Ämtern zur Genehmigung vorgelegt werden.
„Ich schaue mir jeden Zentimeter der Strecken an, ob er gut befahrbar ist“, erzählt der Organisator, der auch privat gern und häufig in die Pedalen seines Trekking-Rades tritt. „Der beste Fahrradweg ist ein ebener, frisch geteerter Weg“, sagt er - fast schon schwärmerisch.
Schlechte Wege indes streicht er gleich aus seinen Plänen. Schließlich sollen Reifenplatzer und Stürze vermieden werden. Straßenbahnschienen sollten möglichst nicht auf den Strecken liegen - weil auch sie eine mögliche Unfallquelle darstellen. „Die Sicherheit steht über allem“, betont Krumme. So müssen die Touren auch für die große Masse an Freizeitradlern kompatibel sein - die Wege dürfen also nicht zum Nadelöhr werden für die bis zu 4 000 Teilnehmer der MZ-Radpartie. Hindernisse, zum Beispiel Poller, müssen später auf der Strecke kenntlich gemacht werden. Die verschiedenen Touren sollen nicht nur die vorgegebene Länge haben - sondern auch möglichst durch verkehrsarme Gegenden führen. Das Streckenprofil muss angemessen ausfallen. Auf dem Weg sollten zudem einige lohnenswerte Ausflugsziele liegen, die sich die Radler ansehen können. Denn für einen Stopp ist bei der Radpartie immer Gelegenheit.
An all das muss der 44-Jährige denken. Das ist sein Job. Und mit dem kennt er sich aus: Seit Jahren gehören Fahrradtouren, -feste und -reisen zum festen Repertoire seiner Agentur. Dabei hat er in der Vergangenheit natürlich viele Erfahrungen gesammelt.
So wird es ihm wohl nicht mehr passieren, dass er die Radpartie-Teilnehmer kurz nach dem Start über einen engen Weg schickt - wenn das Fahrerfeld noch dicht beieinander ist. „Einmal, in den Anfängen, hatte sich dadurch ein großer Stau gebildet“, erzählt er. Das Besondere an der MZ-Radpartie sei, dass sie für jeden Freizeitradler geeignet ist: „Das ist kein Radrennen, sondern eine klassische Breitensportveranstaltung“, betont Dieter Krumme. Jeder kann sich seine Lieblingsstrecke nach Länge und Anforderungsprofil aussuchen. Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um das Gemeinschaftserlebnis. Außerdem: „Die Teilnehmer haben Gelegenheit, ihre Region näher kennenzulernen.“ Auch auf den Touren der diesjährigen Radpartie können sie wieder wunderschöne Flecken entdecken. „Zum Beispiel die Saaleaue, Bad Lauchstädt, den Geiseltalsee oder den großartigen kleinen Ort Bündorf“, schwärmt der Planer. Und fügt gleich ein Plädoyer fürs Radfahren an: „Da erlebt man die Natur im Grunde wie beim Wandern - nur, dass man die Wechsel der Landschaften viel schneller sehen kann.“ Er selbst sei privat „definitiv ein Schönwetter-Radler“. Und so bedaure er es auch, dass er im Sommer oft keine Zeit dafür habe, weil er dann stets besonders viel zu tun hat mit seiner Veranstaltungsagentur.
Als Organisator kann er zum Beispiel bei der Radpartie natürlich nicht mitradeln - sondern ist mit dem Auto unterwegs. Insgesamt seien bis zu 300 Mitarbeiter am Gelingen des großen Gemeinschaftsausflugs beteiligt - von den Streckenposten bis hin zu den Helfern an der Getränkeausgabe. Für die Organisation ist Dieter Krumme seit einigen Monaten jede Woche im Raum Halle unterwegs.
Den Anfang seiner Touren-Planung machten dabei nicht etwa die winterlichen Ausflüge auf dem Rad. Als erstes guckt er sich stets grob Routen auf einer Übersichtskarte am Rechner aus. Dort hat er alle früheren Strecken samt Pausenorten vermerkt. „Besonders interessant sind natürlich Orte, wo wir noch nicht waren - auch, wenn sich mancher Streckenabschnitt mitunter wiederholt“, sagt er.
In einem zweiten Schritt fährt er die Routen ab - mit dem Rad und auch dem Auto. Dann hat er stets ein GPS-Navigationsgerät dabei. Nicht, damit er den Weg findet. Sondern, um die Strecken, die er damit aufzeichnet, später den Tour-Guides zur Verfügung zu stellen. Zudem kann er die Routen auf diesem Weg ausmessen. „Spannend ist dann nach kleinen Änderungen auf der Strecke immer, ob die Tour auch noch so lang ist, wie sie sein soll. “Noch viel aufregender sei aber der Tag, an dem tausende Radler auf seiner Strecke starten. „Feierabend ist für mich erst, wenn der letzte Fahrer im Ziel ist.“